Banken

Niedrigzinsphase? Wo ist das Problem?

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Niedrigzinsphase? Wo ist das Problem?

 

So und nicht anders muss man die Ertragszahlen des deutschen Bankgewerbes, so wie sie die Deutsche Bundesbank in jedem September eines Jahres veröffentlicht, überschreiben. Denn nach wie vor sind die Zinsüberschüsse und die Betriebsergebnisse hoch! 

 Im Einzelnen:

Die Zahlen der Bundesbank belegen, dass die Banken insgesamt im Gewinn deutlich zulegen. Anteil an dieser Situation haben besonders die Sparkassen, die nochmal zulegen. Im Vergleich zum letzten Jahr vor der Krise (2006) sieht man deutlich wie stark Sparkassen und Genossen von der Krise profitiert haben. 

Jahres-
überschuss
vor Steuern

     

in Mio. Euro

2006

2014

2015

Genossen-
schafts
banken

          3.614   

          6.988   

          6.671   

Sparkassen

          4.421   

          8.640   

          8.961   

Großbanken

          7.520   

          3.659   

          2.708   

Alle Banken

         27.597   

         24.999   

         26.491   

 Basis für diesen schönen Erfolg sind der nach wie vor die Erlöse, der Zins- und Provisionsüberschuss, allem Gerede von der Niedrigzinsphase zum Trotz. Bei den folgenden Tabellen stellen wir die Werte jeweils in % der durchschnittlichen Bilanzsumme dar. Dies ist eine von der Bundesbank geübte Methode, Banken unterschiedlicher Größe vergleichbar zu machen.

 Zinsüberschuß

 

 

 

 

in %
zur
durchschn
Bilanzsumme

2006

2014

2015

Genossen-
schafts-
banken

2,30

2,21

2,14-

Sparkassen

2,23

2,09

2,06

Großbanken

1,11

0,77

0,81

Alle Banken

1,15

1,10

1,11

 Provisionsüberschuß

in % zur durchschn Bilanzsumme

2006

2014

2015

Genossen-
schafts-
banken

0,66

0,56

0,57

Sparkassen

0,58

0,58

0,60

Großbanken

0,54

0,43

0,43

Alle Banken

0,39

0,35

0,35

Verwaltungskosten

in % zur
durchschn
Bilanzsumme

2006

2014

2015

Genossen-
schafts-
banken

2,27

1,84

1,82

Sparkassen

1,89

1,79

1,81

Großbanken

1,27

0,93

0,99

Alle Banken

1,06

1,01

1,05

 Betriebsergebnis

in % zur
durchschn
Bilanz-
summe

2006

2014

2015

Genossen-
schafts-
banken

0,55

0,93

0,85

Sparkassen

0,46

0,83

0,83

Großbanken

0,47

0,16

0,21

Alle Banken

0,46

0,37

0,40

 

Die Tabellen zeigen sehr eindrücklich, dass natürlich die Kreditinstitute mit den breiten, flächendeckenden Filialnetzen, die Sparkassen und Genobanken, die höchsten Verwaltungskosten haben. Doppelt so hoch, wie die Verwaltungskosten der Großbanken. Jeder Kaufmann lernt aber bereits im ersten Ausbildungsjahr, dass Kosten nicht alleine über Erfolg entscheiden. Wichtig sind auch die Erlöse. Und hier zeigt sich, dass die Sparkassen und Genossen sehr weise investiert haben. Ihr Zinsüberschuß ist nicht nur doppelt so hoch, wie der der Großbanken, er ist auch stabil. Er alleine würde reichen, um die Verwaltungskosten zu decken. Hinzu kommen aber auch noch steigende Provisionserlöse!

 

Anders als der Deutsche Bank Vorstand Cartellieri es Ende der 90 Jahre sagte sind die Filialen also nicht der Mühlstein der Banken, sondern das Fundament auf dem Kundenbindung und somit ertragreiches Geschäft erst entsteht!

 

CIR 2006 2014 2015
Genossen-schaftsbanken 64,34 65,93 66,6
Sparkassen 65,8 68,3 68,87
Großbanken 69,01 78,07 82,94
Alle Banken 62,35 69,24 70,4

Das Bild bestätigt sich beim Blick auf die Cost-Income-Ratio.  Diese Kennzahl zeigt uns, wieviel Kosten das Kreditinstitut aufwenden muss, um einen Euro Ertrag zu erzielen. GenoBanken und sparen liegen auch hier weit vor den Großbanken, obwohl doch eigentlich größere Institute Kostenvorteile haben müssten.

In aller Deutlichkeit tritt die Gewinnstärke der Sparkassen, aber vor allem der Genossen zu Tage, wenn wir uns die Eigenkapitalrendite ansehen. Mit um die 10 % knüpfen sie nahtlos an den Vorkrisenzeiten an, während die Großbanken dramatisch verloren haben. Hier berücksichtigen diese Kennzahlen aber nicht, woher die Gewinneinbrüche der Großbanken kommen. Jedenfalls nicht aus den Erträgen des operativen Geschäftes, sondern aus Strafzahlungen und Abschreibungen auf Altlasten der Krise!

EK-Rentabilität vor Steuern

in % 2006 2014 2015
Genossen-
schaftsbanken
11,04 12,22 10,72
Sparkassen 8,94 9,94 9,67
Großbanken 14,01 4,33 3,01
Alle Banken 9,35 5,72 5,81

Da weder die Sparkassen noch die Genossenschaftsbanken von ihren Gewinnen große Ausschüttungen an die Eigner tätigen verbleibt der Großteil als zusätzliches Eigenkapital im Hause. Folglich konnten die Sparkassen und die Genossen ihr Eigenkapital seit der Finanzkrise verdoppeln. Die Großbanken haben das im Ergebnis auch geschafft, mussten dafür aber mehrmals mit Kapitalerhöhungen an die Märkte, um alle Kapitalanforderungen der Regulierer zu erfüllen.

Eine letzte Kennziffer verdeutlicht vielleicht am besten wie stark die Gewinnsituation der Sparkassen und der Genossen heute ist: Lag der Gewinn pro Beschäftigtem und pro Monat einer Geno-Bank vor der Finanzkrise noch bei 1.000 bis 1.500 Euro, so kommen sie jetzt im Schnitt auf fast 3.200 bzw. 3.580 €. Der Gewinn pro Beschäftigtem hat sich also mehr als verdoppelt, und das nicht nur weil die Zahl der Beschäftigten zurück gegangen ist. Leider gibt uns die Bundesbank die Zahlen der Beschäftigten der Großbanken nicht, sodass wir hier deren Entwicklung nicht zeigen können.

in Euro 2006 2014 2015
Genossen-schafts-
banken
  1.868,00   3.669,00   3.580,00
Sparkassen   1.434,00   2.994,00   3.195,00
Alle Banken   3.473,00   3.260,00   3.525,00