Genossenschaftsbanken

Betriebliche Altersvorsorge retten! Nur gemeinsam!

Tarifinfo PSD Banken 12/2016

Betriebliche Altersvorsorge retten! Nur gemeinsam!

Der Wir-Effekt ver.di Fachbereich Finanzdienstleistungen PSD Banken: Der Wir-Effekt!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

so ist das nach Verhandlungen, die nicht zum gewünschten Ergebnis führten: Sie erhalten Informationen von Ihrem Arbeit-geber und von uns. Die Informationen un- terscheiden sich. Der Ton der Infos wird rauher. Und Sie wissen nicht, wem Sie glauben sollen. Wollen nicht nur beide Seiten in gutem Licht dastehen? Wer hat Recht? Uns ist an Versachlichung gelegen, deshalb hier nochmal die wichtigsten Fakten im Überblick:

1. Die Arbeitgeber, die Vorstände der PSD Banken, haben den Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gekündigt. Das war ihre einseitige Willenserklärung, die wir nicht beeinflussen konnten. Und leider wirkt diese einseitige Erklärung nun auch so, wie wir das jetzt erleben!

2. Die Arbeitgeber haben die Altersvorsorge gekündigt, weil sie ihnen auf Dauer zu teuer ist. Sie wollten – schauen Sie ggf. bei Ihrem BR in das Kündigungsschreiben – die Verzinsung senken. Von derzeit 4,5 % auf...? Wohin die Verzinsung sinken sollte, ließen die Arbeitgeber offen, sprachen vom Kapitalmarkt. Also von Zinsen bei 0,... ?

3. ver.di war von Anfang an zu Gesprächen und Verhandlungen bereit. Wir wollten und wollen mit einem neuen Tarifvertrag die Altersversorgung in die Zukunft retten. Gerade auch im Interesse der jüngeren KollegInnen.

4. Die Arbeitgeberseite und wir konnten uns – nach schwierigen Verhandlungen – letztendlich auf ein Modell für eine neue bAV verständigen. Dieses Modell senkt die Verzinsung deutlich, von bisher 4,5 % auf die versicherungsüblichen 1,25 % in der Garantie! Natürlich locken Versiche- rungen mit der „Überschussbeteili- gung“. Wie hoch sie ist und wie lange es eine solche gibt, garantiert aber keine einzige Versicherung. Übrigens waren auch die Vorstände nicht bereit, eine Garantieverzinsung, unabhängig von der Höhe, zuzusagen. Und die gegenwärtige Entwicklung zeigt deutlich fallende Überschussbeteili-gungen! Wir hätten uns trotzdem darauf eingelassen, weil die Arbeitgeber die geringere Verzinsung durch einen höheren Beitrag zumindest – aber eben auch nur - teilweise ausgleichen wollten.

5. Die Arbeitgeberseite wollte aber auch auf zwei weiteren Wegen „Geld sparen“:

a. Die Vorstände wollten die Möglichkeit haben, die bereits jetzt angesparten – und in der Bilanz jeder Bank zurückgestellten Gelder – an den Anbieter der neuen bAV auszulagern. Das hätte im Ergebnis schlicht dazu geführt, dass die Bank in erheblichem Umfang zusätzliche Mittel in diesem Jahr aufbringen müsste, die sie dann aber in den kommenden Jahren nicht mehr aufwenden muss. Kosten würden vorgezogen! Das ist sinnvoll, kann aber auch jetzt von jeder Bank gemacht werden. Auch ohne neuen, verschlechterten Tarifvertrag

b. Die Vorstände wollten aber auch noch an Ihnen sparen! „Der Blick ins Kleingedruckte“ der Verhandlungen zeigte, dass die Arbeitgeber zwar erklärten, den Past-Service, also die bisher eingezahlten Gelder, weiter so zu behandeln wie bisher vom Tarifvertrag festgelegt, dass sie dies in Wahrheit aber nur zum Teil wollten. Denn: Bestehen bleiben sollte zuerst nur die Verzinsung von 4,5 % bis zum 60. Lebensjahr. Die Verzinsung zwischen 60 und dem individuellen Renteneintritt – und das ist je nach Alter zwischen 5 bis 7 Jahren – sollte sinken! Auf das, was man halt für kürzere Anlagen so auf dem Kapitalmarkt so bekommt. Also fast nichts! Und selbst am Ende der Verhandlungen stellten die Vorstände auch nur eine „Teilsicherung“ in Aussicht: die jetzt 54 Jährigen und Älteren, sollten eine Verzinsung von 3,5 % zwischen dem 61. Lebensjahr und der individuellen Rente garantiert bekommen. Argumentativ haben die Vorstände versucht, das Problem klein zu reden. Haben bestritten, dass Sie in Wahrheit 5-stellige Eurobeträge verlieren könnten. Manche Vorstände haben eigene Zahlen genannt. Pech nur, dass die Vorstände immer nur von einem Rentenkonto sprachen und so zu kleineren Verlusten kamen.

Defacto verfügen Sie aber bei der PSD Bank sogar über bis zu drei Rentenkonten: Das Konto mit den Arbeitgeberbeiträgen, das Konto mit Ihren Pflichtbeiträgen (bisher beides mit 1,7 % Ihres Gehaltes gefüllt) und ggf. das Konto, auf das freiwillige Zusatzbeiträge von Ihnen eingeflossen sind. Und ja, diese Konten werden zusammen für die meisten Beschäftigten der Bank im 60. Lebensjahr, also nach vielen Jahren in der Bank, bei über 100.000 Euro liegen! Und nun berechnen Sie doch selber, wieviel Verlust Sie in so einem Fall erleiden, wenn die Verzinsung dieses Kapitalstocks von 4,5 % auf 1, oder 2 oder 3 % sinkt. Und das für fünf bis sieben Jahre!

6. Deshalb konnte unsere Tarifkommission das letzte Angebot des Arbeitgebers nicht annehmen. Und sie hat diesen Beschluss am 28.11. noch einmal – einstimmig! – bestätigt. Wir bleiben dabei: wir sind weiter zu Verhandlungen bereit, wenn die Vorstände endlich darauf verzichten, Ihnen dermaßen in die Taschen greifen zu wollen. Denn: bei dieser Diskussion geht es um die Beiträge, die Sie bisher in gutem Glauben an den Tarifvertrag eingezahlt haben.


Wie geht es nun weiter?

Der Tarifvertrag ist gekündigt und läuft vertragsgemäß nur noch bis September 2025.
Die Vorstände haben dabei von einer Klausel im Tarifvertrag Gebrauch gemacht und frieren den von ihnen – also den Banken – eingezahlten Beitrag auf dem Niveau ein, den sie Ihnen im September 2016 gewährt haben. Das bedeutet, dass Sie, auch wenn Sie in den nächsten Jahren in eine höhere Berufsjahresstufe steigen, eine neue Aufgabe und eine neue Tarifgruppe oder schlicht eine Anhebung der Tarifgehälter bekommen, keinen Cent mehr für Ihre Altersvorsorge von der Bank erhalten.

Der Bankbeitrag sinkt also (deutlich) unter die jetzt festgelegten 1,7 %. Das können Sie etwas ausgleichen, indem Sie (wenn Sie es noch nicht getan haben) zukünftig einen freiwilligen Zusatzbeitrag leisten! Dieser Betrag ergibt sich, wenn Sie den festgeschriebenen Arbeitgeberanteil und die von Ihnen eingezahlten Beträge addieren und von 4 % der Beitragsbemessungsgrenze abziehen.

Diesen Restbetrag dürfen Sie freiwillig dazu bezahlen. Und: dieser Beitrag muss von der Bank ebenfalls mit den im Tarifvertrag festgelegten 4,5 % verzinst werden. Sie müssen Ihre Entscheidung, den Zusatzbeitrag zu leisten, Ihrer Bank jeweils vor dem 1.12. mitteilen, die Bank behält den entsprechenden Betrag dann ab dem 1.1. des Folgejahres ein. Und Sie können, je nach Finanzlage, diese Entscheidung für jedes Jahr neu treffen oder revidieren. Wir empfehlen dringend, sich dieses kleine Extra (Ausgleich) zu sichern. Wenn Sie sich mit uns gemeinsam für ein verbessertes Angebot der Arbeitgeber einsetzen wollen, dann sagen Sie das unseren ver.di-Mitgliedern vor Ort. Gerne möchten wir dem Unmut der Beschäftigten Raum geben, ihm Gehör verschaffen. Aus unserer Sicht sind jedoch die Chancen, die die Verhandlung bietet, ausgereizt. So gerne wir es auch anders darstellen würden und gerne mehr erreicht hätten: Jetzt sind Sie gefragt! Engagieren Sie sich? Machen Sie ihrem Vorstand gegeüber Ihren Unmut deutlich? Wenn ja, dann können wir das gemeinsam tun! Wenn ja, dann haben wir die Chance auf ein verbessertes Angebot! Wenn ja, können wir vielleicht einen Tarifvertrag durchsetzen der eine neue (immer noch verschlechterte) Altersvorsorge erzielt, aber gleichzeitig die Eingriffe in bereits erworbene Ansprüche ausschließt oder zumindest stärker begrenzt!

Mit kollegialen Grüßen Ihre ver.di-Tarifkommission