Genossenschaftsbanken

ver.di Magazin Geno-Banken 08/2019

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ver.di Magazin Geno-Banken 08/2019

Unsere Augustausgabe zum Tarifreformvertrag Genossenschaftsbanken zwischen AVR und DBV/DHV
Genomagazin 08 / 2019 ver.di Fb1 Genomagazin 08 / 2019

Am 7. August 2019 haben AVR und DBV/DHV den Tarifreformvertrag Genossenschaftsbanken unterzeichnet. Nur sukzessive werden die Inhalte kommuniziert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

1. Eingruppierungsbestimmungen + neue Tabelle
Zentral an dem neuen Tarifvertrag sind die neuen Eingruppierungsbestimmungen. Sie sind noch nicht veröffentlicht, dennoch wird bereits dazu kommuniziert. Laut AVR sind sie „zeitlos verwendbar und zukunftsoffen“. Laut DBV enthalten sie „deutlich konkreter gefasste Oberbegriffe“.

Die Kenntnis von ver.di aus der Sondierung lässt das Gegenteil befürchten: Die Eingruppierungsbestimmungen werden unkonkreter, weiter gefasst und damit interpretierbarer werden. Sie werden für weniger und nicht für mehr Transparenz bei der Ein- und Umgruppierung sowohl für Betriebsräte als auch für Beschäftigte sorgen.

Zentral ist auch die neue Tabelle, doch auch sie wird noch nicht veröffentlicht. Zu ihr kommuniziert der AVR, dass sie sich für die unteren Tarifgruppen (TG 1-3) „konsequent“ an den externen Dienstleistern – also an ausgegründeten Bereichen orientiert. Die mittleren Tarifgruppen (TG 4-6) sollen sich ebenso „konsequent“ an den Wettbewerbern orientieren. Dies bedeutet – wie ver.di aus der Sondierung weiß – eine Interpretation der Vergütung bei der ING oder bei Sparkassen, die eine deutliche Absenkung der Endgehälter nach sich ziehen wird.

2. Bestandsmitarbeiter*innen
Auch der Umgang mit Bestandsmitarbeiter/-innen wird konsequent unkonkret bzw. nicht stringent formuliert: Einerseits heißt es beim AVR, dass Bestandskräfte von einer Kontinuität der Vergütungsstrukturen ausgehen können und es keinen „verbindlichen Transfer“ in die neue Gehaltssystematik geben soll. Beim DBV wird zunächst die Frage gestellt: „Kann sich durch die Neuordnung meine Tarifgruppe ändern? […] Die Antwort auf diese Frage ist eindeutig Nein.“ Um direkt danach zuzugeben, dass bei gravierenden Veränderungen der Tätigkeit, beispielsweise im Rahmen von Fusionen, ein Transfer ins neue System stattfinden wird. Also wird die „Ausnahme“ die Regel?

Und es gibt noch mehr „Ausnahmen“: Initiativbewerbungen z.B. von Bestandsmitarbeitern bei einer Höhergruppierung. Unklar bleibt, ob mit abgesenktem Endgehalt hier wirklich von einem finanziellen Plus ausgegangen werden kann. Laut AVR können sich Bestandskräfte auch eigeninitiativ auf niedriger eingestufte Stellen bewerben. Inwieweit hier von „eigeninitiativ“ im engeren Sinne des Wortes gesprochen werden kann, bleibt offen.

Was ist angesichts dessen mit „Bestandsschutz“ gemeint? Wird im Rahmen einer Fusion die Stelle neu bewertet und niedriger eingruppiert, dann wird die Differenz als Zulage gezahlt. Diese Differenz wird dann mit den Gehaltserhöhungen der nächsten Jahre verrechnet.

Ein Fallbeispiel: Ein Beschäftigter der TG 6 verdient im 11. Berufsjahr 3.911 Euro brutto ab dem 1.1.2020. Dann kommt im Jahr 2020 eine Fusion, seine Stelle wird neu bewertet und er wird ggfs. abgruppiert auf die TG 5 (neu: B2). Vielleicht erhält er dann 500 Euro weniger. Die neue Tabelle wird es uns verraten. Vielleicht gibt es dann bei der Tarifrunde 2022 eine prozentuale Erhöhung von 2%, das wären bei seinem neuen spekulativen Bruttogehalt von etwa 3.400 Euro 68 Euro. Das wird verrechnet mit den 500 Euro Differenz als Zulage: 432. Er bekommt zwar weiterhin damit sein altes Gehalt (= Bestandsschutz), aber keine Lohnerhöhung. Jetzt können Sie selber rechnen, wie lange dieser Beschäftigte keine Lohnerhöhung mehr erhalten wird, bis die Differenz komplett verrechnet ist. Zur Erinnerung: Die Tariflaufzeit dieses Tarifvertrages beträgt 34 Monate. Währenddessen läuft auch die Inflation weiter: Sie lag im Juli 2019 bei 1,7%.

Die Absenkung durch die neuen Eingruppierungsbestimmungen und die neue Tabelle wird nicht nur für Neueinstellungen massive Lohnverluste in den nächsten Jahren zur Folge haben, sondern durch die Verrechnung der Differenz der Zulage bei „gravierenden Veränderungen“ auch für viele Bestandsmitarbeiter/-innen.

3. Ausschluss von Beschäftigtengruppen aus dem Geltungsbereich des Tarifvertrages
Eine gravierende Verschlechterung bedeutet der Ausschluss aus dem Geltungsbereich des Tarifvertrages von übertariflich bezahlten Kollegen, die mehr als 20% über dem Endgehalt der höchsten Tarifgruppe, also mehr als 5.880 Euro verdienen. Bislang waren hiervon „Angestellte in leitender Stellung oder solche Angestellte […] mit Entscheidungen von besonderer Wichtigkeit und Tragweite“ betroffen mit einem höheren Gehalt als dem Endgehalt der höchsten Tarifgruppe und sie waren geschützt durch den Zusatz, dass „die sonstigen Bedingungen ihrer Arbeitsverträge nicht schlechter [… sein dürfen] als die entsprechenden Bedingungen des Tarifvertrages“.

Dies bedeutet, dass die Kollegen, die mehr als 20% über der Endstufe der höchsten Tarifgruppe verdienen, nicht mehr durch die Bestimmungen des Manteltarifvertrages geschützt werden beispielsweise bzgl. Urlaubsansprüche, Kündigungsregelungen, zusätzliche freie Tage etc. Im Sprachgebrauch des AVR heißt dies: „Freiheit bei der Gestaltung arbeitsvertraglicher Inhalte ab einer bestimmten Verdiensthöhe“.

Als weitere Gruppe fallen Mitarbeiter/-innen aus dem Tarifvertrag, die „überwiegend in den Bereichen Immobilien-, Versicherungs- oder Reisevermittlung oder im Warengeschäft tätig sind.“

4. Erweiterung der Samstagsarbeit
Eine weitere gravierende Verschlechterung ist die Erweiterung der Samstagsarbeit in den Kundenservicecentern/Kundendialogcentern. Hierfür soll es 25% Zuschlag geben – recht günstig, wenn man einbezieht, wie hoch Kolleginnen und Kollegen den freien Samstag bewerten.

Bei der ver.di-Mitglieder- und Beschäftigtenbefragung 2018 führte der freie Samstag die Hitliste der Arbeitsaspekte an, die für die Beschäftigten relevant sind. Ob die vom AVR angesprochenen, aber bislang nicht bekannten Schutzregelungen garantieren, dass bspw. ausreichend geregelt ist, wie viele Samstage hintereinander gearbeitet werden darf, dass zwei zusammenhängende freie Tage in definierter zeitlicher Nähe genommen werden müssen etc., bleibt abzuwarten.Es gibt im Tarifvertrag Zugeständnisse an die moderne Arbeitswelt wie einen Anspruch von Azubis in Banken mit mindestens 200 MAK, die, wenn sie übernommen wurden, in den ersten drei Jahren zwei Monate unbezahlten Urlaub nehmen können, oder einen einzelvertraglichen Anspruch auf Freizeit statt Tariferhöhung.

Diese Punkte fallen ebenso wie die gewährte Gehaltserhöhung gegen die genannten substanziellen Verschlechterungen kaum ins Gewicht.Somit wird leider deutlich, wohin die Reise geht, wenn ein Arbeitgeberverband sich seine tariflichen Verhandlungspartner selber aussuchen kann, diese keinerlei Öffentlichkeitsarbeit während der Verhandlungen betreiben, sich in keiner Weise mit Beschäftigten rückkoppeln und keinerlei Versuch unternehmen, gemeinsam mit organisierten Beschäftigten deren Interessen Nachdruck zu verleihen.

Sie unterschreiben „einfach“ Tarifverträge. Für ver.di Mitglieder, die bis Februar 2013 Mitglied wurden, gilt der ver.di Manteltarifvertrag in Nachwirkung. Für eine abschließende Bewertung müssen der genaue Tarifvertragstext und die neue Tabelle abgewartet werden.

 

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