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Homeoffice? Licht und Schatten!

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Homeoffice? Licht und Schatten!

Kommentar der ver.di-Bundesfachgruppe Bankgewerbe zum Thema „Mobiles Arbeiten“
Homeoffice mit Kindern congerdesign, pixabay.com Homeoffice mit Kindern

Alle Welt spricht vom Homeoffice… Alle Welt wohl kaum, da es den Begriff „Homeoffice“ nur in Deutschland gibt. Überall anders heißt es „Mobile Working“ oder auf Deutsch: Mobiles Arbeiten.

Mobiles Arbeiten begleitet uns verstärkt seit Beginn der Covid-19-Pandemie bzw. seit dem deutschlandweiten Shutdown in diesem Frühjahr. Durchaus nachvollziehbar wurde zur Eindämmung des Infektionsgeschehens nach und nach immer mehr Beschäftigten das Arbeiten von zu Hause aus gestattet bzw. wurde je nach Arbeitgeber sogar aktiv gefördert.

Und richtigerweise stellte unter anderem die gesetzliche Unfallversicherung klar: Es handelt sich bei dieser Form der kurzfristig improvisierten Arbeit von zu Hause aus nicht um ordentliche Telearbeitsplätze (dabei müssten nämlich vom Arbeitgeber alle Arbeitsschutzstandards eingehalten werden), sondern eben um mobiles Arbeiten von zu Hause aus. Ein feiner Unterschied, über den man vielleicht im Sinne eines kurzfristigen Krisenmanagements hinwegsehen kann, der aber immer mehr Bedeutung bekommt, je länger diese improvisierte mobile Arbeit von zu Hause aus anhält: Fehlende Arbeitszimmer, fehlende Ausstattung, fehlendes (stabiles) Internet, fehlende Ruhe, fehlende Begrenzung der Arbeitszeitlage und -menge und nicht zuletzt manchmal auch fehlende Inhalte, denn nicht jede Arbeit ist mobil zu erledigen – um nur einige Herausforderungen zu nennen.

Nachdem aus der anfänglich großen Begeisterung bei einigen im Laufe der Wochen großer Frust wurde, andere wiederum erst nach vielen Wochen überhaupt ins Arbeiten kamen und sich wiederum andere durch die neue Freiheit von einer Höchstleistung zur nächsten pushten, stellen wir nun fest: Es ist nichts mehr, wie es war.

Manche vergessen vor lauter Arbeitseuphorie, dass ein regelmäßiger Arbeitstag nur acht Stunden betragen darf.

ver.di steht traditionell für gute Arbeitsbedingungen, aber was heißt das in diesen Zeiten genau?

Wir wollen mit unserem Diskussionsbeitrag weder mobiles Arbeiten verteufeln, noch in den Himmel loben. Wir glauben, dass es jetzt wichtig ist, dass wir uns intensiv über die Erfahrungen rund um mobiles Arbeiten austauschen und gemeinsam Spielregeln für die mobile Arbeit entwickeln. Wie kann es ein gutes und gleichwertiges Nebeneinander von Büroarbeit und mobiler Arbeit geben? Und vor allem stellt sich die Frage, wie bei der Unterschiedlichkeit von uns Beschäftigten in der Bankenbranche und unseren unterschiedlichen Anforderungen an den Arbeitsalltag alle zu ihrem Recht kommen.

Apropos Recht: Wir erleben gerade, dass in einem Affenzahn Gesetze oder Teile davon entweder – (noch) befristet – geändert oder außer Kraft gesetzt werden (Arbeitszeitordnung oder Betriebsverfassungsgesetz, um nur zwei zu nennen). Sind dabei noch die zu Recht hoch geschätzten und lange Zeit nicht in Frage gestellten demokratischen Grundsätze immer gewahrt?

Aber welche Grundsätze wollen wir z. B. bei der Einhaltung von Pausen und Arbeitszeiten erreichen? Manch einer von uns kennt noch die Thesen von Klaus Peters vom COGITO-Institut zur „interessierten Selbstgefährdung“. Einerseits ist es schön und gut, wenn man – z. B. weil man tagsüber seine Kinder betreut – in den frühen Morgenstunden und in den späten Abendstunden arbeitet, aber andererseits fehlen die Erholungsphasen. Manch einer vergisst vor lauter Arbeitseuphorie, dass ein regelmäßiger Arbeitstag nur 8 Stunden betragen darf.

Das hat der Gesetzgeber aus gutem Grund festgelegt, um Selbstausbeutung und Gesundheitsgefährdung zu vermeiden. Denn was ist eigentlich, wenn über die Einhaltung aller Vorschriften und Gesetze hinaus die Wünsche von Arbeitgeber und Arbeitnehmer*innen bei der Ausgestaltung ihrer Arbeit nicht übereinstimmen?

Zeiterfassung im Homeoffice elvtimemaster, Pixabay.com Zeiterfassung im Homeoffice

Mobiles Arbeiten ist häufig auch einsam und soziale Isolation für einige eine Gefahr. Nicht alle mögen ohne persönliche Kontakte zu ihren Kolleg*innen und Kund*innen sein. Und nicht alle wollen ausschließlich digital kommunizieren. Multitasking in diesen Zeiten heißt häufig, neben der oder parallel zur Arbeit die Kinder zu betreuen und/oder ihnen beim „Homeschooling“ zu helfen sowie Hausarbeiten zu erledigen.

Wenn dann mitten in der Arbeit das Datenvolumen verbraucht ist oder zu Hause bandbreitenbedingt Konflikte rund um die Nutzung des Internets entstehen, ärgert sich nicht nur die Familie, sondern es geht möglicherweise auch ans Portemonnaie – und zwar vielfach an das eigene und nicht das des Arbeitgebers. Dieser wiederum stellt plötzlich fest, er braucht nicht mehr so viele Räume, spart beispielsweise Heizkosten und Büromaterial, Internet- und Telefonkosten, vom in diesen Tagen vielgepriesenem Toilettenpapier ganz zu schweigen. Dafür sparen mobil arbeitende Beschäftigte plötzlich mehr oder weniger viel Fahrzeit zu ihrer Arbeitsstätte.

Beschäftigte stellen z.B. fest, dass ein Küchentisch mit dazu gehörendem Stuhl oder die Couch ergonomisch bei weitem nicht denselben Komfort bietet wie die professionelle Büroausstattung am Arbeitsplatz in der Bank. Schlechtere Beleuchtung, kleinere Bildschirme an Laptop oder Tablet, fehlender Drucker und instabiles WLAN sind weitere Druckpunkte. Apropos Druckpunkte: Schnell drückt es auch hier und da, wenn fehlende Bewegungsmöglichkeiten im Alltag an der Tagesordnung sind. Und wo wir gerade bei Tagesordnung sind: Hat euer „mobiler“ Tag eine gute Tagesstruktur oder seid Ihr im Free Flow? Und wie schnell greift der berüchtigte Lagerkoller um sich? Einen Koller haben auch die vermeintlich technisch Unbegabten schnell: Gefühlt muss jeden Tag ein anderes technisches Thema behandelt werden und nicht jedem Menschen geht dies leicht von der Hand. Auch beim mobilen Arbeiten sitzt das „Problem“ in der Regel vorm PC.

Büroarbeitsplätze mit ergonomischen Stühlen 3dmentat, depositphotos.com Büroarbeitsplätze mit ergonomischen Stühlen

Das wiederum führt zu der Frage, ob wirklich jede*r freiwillig mobil arbeitet? Andersherum betrachtet haben viele das Gefühl, dass mobiles Arbeiten möglicherweise auch nur einigen Privilegierten vorbehalten ist. Aber was ist mit den anderen, für die von vorgesetzter Stelle ohne Transparenz entschieden wurde, dass sie – warum auch immer – nicht zum „auserwählten Kreis“ gehören? Und was ist mit unseren Beschäftigten, für die mobiles Arbeiten über Telefonkonferenzen eine große Herausforderung darstellt? Was für Beschäftigte ein kleiner Bildschirm bedeutet, vermögen wir uns ebenfalls gut vorzustellen.

Eine andere Herausforderung stellt auch der Datenschutz zu Hause dar. Häufig ist dieser nicht so professionell wie in der Bank – nicht nur technisch, sondern auch menschlich und räumlich bedingt. Wer nicht alleine wohnt bzw. über kein Büro im eigenen Wohnumfeld verfügt, hat es schon deutlich schwerer als der allein wohnende Single mit High-Tech-Ausstattung und genug Räumen.

Und wie gut arbeitet es sich eigentlich mit finanziellen Sorgen im Nacken? Dies betrifft zur Zeit unseres Wissens bisher so gut wie niemanden in unserer Branche, aber niemand von uns weiß, wie lange die Krise noch andauern wird. Und außerdem sind viele Menschen aus anderen Branchen, die Teil unserer Familien oder unseres Freundeskreises sind, sehr wohl von Kurzarbeit betroffen. Damit sind finanzielle Sorgen auch heute schon Teil unserer Welt.

Es handelt sich bei dieser Form der kurzfristig improvisierten Arbeit von zu Hause aus, nicht um Telearbeitsplätze im juristischen Sinn. Denn dabei müssen alle Arbeitsschutzstandards eingehalten werden.

Gesetzliche Unfallversicherung

Wie wird mobile Arbeit umfänglich wertgeschätzt? Auch so eine Frage, die sich stellt. Und wie ist die Vergleichbarkeit von Leistungen, die mobil oder stationär erbracht werden, gewährleistet?

Richtigerweise stellte unter anderem die Gesetzliche Unfallversicherung klar: Es handelt sich bei dieser Form der kurzfristig improvisierten Arbeit von zu Hause aus, nicht um Telearbeitsplätze im juristischen Sinn. Denn dabei müssen alle Arbeitsschutzstandards eingehalten werden.

Je länger die improvisierte mobile Arbeit von zu Hause aus anhält, desto bedeutsamer wird die Einhaltung der Arbeitsschutzbedingungen. Die Auslegung von Unfallvorschriften findet beispielsweise derzeit nicht einheitlich statt. (Arbeits-)Wege im persönlichen Wohnumfeld werden unter einem anderen Blickwinkel betrachtet als Arbeitswege zum und im Betrieb.

Mobiles Arbeiten – Fluch oder Segen? Wir als ver.di werden die gesamte Bandbreite im Blick haben müssen, wenn es darum geht, Vereinbarungen zu treffen, die allen nützen, ohne alle über einen Kamm zu scheren.

Was wir dabei niemandem abnehmen können ist die Eigenverantwortung für sich selbst: Es gilt, die Abwägung zwischen eigenen Interessen und den Interessen des Arbeitgebers vorzunehmen und in Balance zu bringen sowie die eigene Freiheit und Freizeit dabei nicht aus den Augen zu verlieren.

Eure Praxisbeispiele helfen uns dabei und deshalb danken wir euch für die Teilnahme an unserer Online-Umfrage aus dem „Corona-Newsletter Nr. 3“! Dies ist für uns nur ein erster Aufschlag zu einem neuen Diskussionsprozess zum Thema mobiles Arbeiten, zu dem wir euch in euren Betriebsgruppen, in euren Bezirks-, Landes- und Bundesgremien sowie in eurem sonstigen persönlichen Umfeld mit allen ver.di-Mitgliedern herzlich einladen möchten.

Lasst uns die Corona-Krise nutzen, um durch die neuen Gegebenheiten erforderliche Verbesserungen bei „Guter Arbeit auch mobil und zu Hause“ für uns alle zu erreichen. Und lasst uns die Rahmenbedingungen mitgestalten, im eigenen Betrieb ebenso wie in der Politik.

Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen zu diesem Thema. Sagt uns, was für euch gute Arbeitsbedingungen und gute Voraussetzungen für mobiles Arbeiten sind und welche Stolpersteine es aus eurer Sicht zu beachten gilt. 

Sendet uns eine Mail mit Betreff "Homeoffice 2020" an: banken@verdi.de
Vielen Dank dafür!

Bis dahin: Bleibt gesund!

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