Corona-Virus

Ihre Arbeitsbedingungen in der Corona-Krise

Corona-Virus

Ihre Arbeitsbedingungen in der Corona-Krise

Auswertung der ver.di-Umfrage unter Beschäftigten in der Finanzdienstleistungsbranche
Umfrage unter Beschäftigten mohamed Hassan, pixabay.com Umfrage unter Beschäftigten

Wir freuen uns, dass innerhalb weniger Tage fast 5.000 Kolleginnen und Kollegen an unserer Umfrage teilgenommen haben. Mehr als 1.000 Kolleg*innen haben uns in den Freitexten zum Teil sehr ausführlich dargelegt, welche Probleme es in der Corona-Pandemie am Arbeitsplatz gibt.

Die Umfrage ist nicht repräsentativ und Sie wurde auch nicht nach streng wissenschaftlichen Kriterien erstellt. Uns geben aber vor allem die Freitexte einen Einblick darin, was Sie derzeit bewegt und umtreibt. Wir werden das in unserer Arbeit in den nächsten Wochen und Monaten natürlich berücksichtigen und danken Ihnen wenn Sie an der Umfrage teilgenommen haben. Die Befragung fand zwischen dem 3. und 17. April 2020 statt.

Hier eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten von Ihnen benannten Themen:

Zunächst haben wir gefragt, ob und wie sich die Arbeitsbelastung in der Corona-Krise verändert hat:

Ermöglichung von Homeoffice ver.di Fb1 Ermöglichung von Homeoffice; Angaben in %

Viele äußerten sich zum Homeoffice. Einige berichteten, dass Homeoffice nicht angeboten wurde, obwohl es technisch möglich gewesen wäre, andere wiederum beschrieben, dass die schlechte technische Ausstattung ein Hinderungsgrund für die Arbeit im Homeoffice ist. Vielfach wurde berichtet, dass Führungskräfte im Homeoffice arbeiteten, während die „normalen“ Beschäftigten wie üblich Präsenz zeigen mussten. Ein großes Problem für viele war, mit der durch Homeoffice einhergehenden Entgrenzung der Arbeitszeit umzugehen. Neben der Schwierigkeit dies selbst zu steuern, wurde berichtet, dass Führungskräfte zu hohe Erwartungen an die Dauer der Arbeitszeit stellen würden. Problematisiert wurde auch, dass die mangelnde Ausstattung des Heimbüros (nur ein Bildschirm, kein Bürostuhl etc.) zu Lasten der Effektivität ging.

Möglichkeit der Kinderbetreuung ver.di Fb1 Möglichkeit der Kinderbetreuung

Sehr große Probleme traten bei der Vereinbarung von Berufstätigkeit und der gleichzeitigen Betreuung von Kindern zu tage. Vielfach wurde die Situation als „sehr stressig“ und sehr belastend beschrieben. Hier gab es viele Arbeitgeber, die kulante und unbürokratische Lösungen anboten, es gab aber auch in unserer Branche nicht wenige Unternehmen, die kein Verständnis für diese Situation zeigten und zum Beispiel Zwangsurlaub anwiesen oder das Einbringen von Minusstunden von den Beschäftigten einforderten, wenn diese sich um ihre Kindern kümmern mussten. Von diesem Problem waren Überwiegend Frauen betroffen.

Viele Kollegen und Kolleginnen, die sich zur Risikogruppe zugehörig fühlen, bemängelten, dass ihre Arbeitgeber hierauf wenig Rücksicht nahmen, sodass auch ältere Kolleg*innen oder solche mit Vorerkrankungen, häufig ohne ausreichenden Infektionsschutz, zum Beispiel in Filialen arbeiten mussten. Hier gab es große Befürchtungen sich mit dem Virus anzustecken. Die fehlende Ausstattung mit Desinfektionsmitteln wurde häufig bemängelt.

Ansteckungsgefahr mit Covid-19 ver.di Fb1 Ansteckungsgefahr mit Covid-19

Ein großes Thema war die mangelnde Einhaltung von Hygieneschutzmaßnahmen. In vielen Filialen, wurden die Beschäftigten selbst tätig und bauten sich mit Materialien aus dem Baumarkt Vorrichtungen um sich vor Ansteckungen zu schützen. Hier haben viele Arbeitgeber die Beschäftigten alleine gelassen und reagierten zu langsam. Wir hoffen, dass das Probleme der Anfangszeit waren und sich mittlerweile brauchbare Maßnahmen überall durchgesetzt haben und die Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen.

Beim Thema Kurzarbeitergeld gehen viele davon aus, dass dies in der Finanzdienstleistungsbranche eher nicht zum Tragen kommt. Mit wenigen Ausnahmen steht aber ein großer Anteil der Teilnehmer*innen hinter der ver.di Forderung, die Höhe des Kurzarbeitergeldes aufzustocken. Viele machten aber deutlich, dass es zur Zeit nicht nur ums Geld geht. Auch die Möglichkeit der Kinderbetreuung, die Rahmenbedingungen für Homeoffice, der Umgang mit Risikogruppen und der Hygieneschutz wurden von vielen Kolleg*innen, als dringend Regelungsbedürftig eingestuft.

mögliche Einkommensverluste aufgrund von Kurzarbeit ver.di Fb1 mögliche Einkommensverluste aufgrund von Kurzarbeit

Viele Kolleg*innen haben die Befürchtung geäußert, dass die Arbeitgeber die Situation nutzen um bei zukünftigen Gehalts-Tarifverhandlungen, die Gehaltssteigerungen möglichst gering zu halten.

Für die ver.di Tarifkommissionen unserer Branche ist klar, dass bei der Verhandlung von Tarifverträgen zum Kurzarbeitergeld, neben der Höhe eines Aufstockungsbetrages auf das Kurzarbeitergeld, auch die Fragen der Ausgestaltung von Homeoffice, die Betreuung von Kindern, die Beschäftigungssicherung, der Schutz von Risikogruppen und die Verbesserung des Hygieneschutzes geregelt werden müssen.

 

Wir können nicht auf alle Fragen, die in den mehr als 1.000 Freitexten gestellt wurden eingehen. Möglichweise finden Sie hier eine Antwort. Ihre häufigsten Fragen beantworten wir auf dieser Seite ganz unten. Außerdem steht Ihnen auch unsere kostenlose ver.di-Hotline Werktags von 8:00 bis 18:00 Uhr unter 0800-83 73 416 zur Verfügung.

Hier haben wir die zunächst die quantitativen Ergebnisse zusammengestellt:

Meine Arbeitsbelastung in der Corona-Krise ver.di Fb1 Meine Arbeitsbelastung in der Corona-Krise

In der Pandemie gibt es mehr zu tun. 41 % der Teilnehmer*innen gaben an, dass die Arbeitsbelastung aufgrund der Corona-Krise gestiegen ist!

Auch wenn hier die Ermöglichung der Kinderbetreuung eher positiv bewertet wurde, wurde in den Freitexten deutlich, dass die Vereinbarung von Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit ein großes Problem ist und von vielen Kollegen, aber vor allem überwiegend von Kolleginnen, als belastend beschrieben wird. Auch beim Homeoffice zeigte sich in den Freitexten, dass die Realität nicht ganz so rosig aussieht und es zahlreiche Probleme gibt.

Der Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung offenbart, dass die meisten Teilnehmer*innen der Umfrage sich vor allem über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie Sorgen machen. 37,7 % der Teilnehmer*innen gaben an, dass ihnen eine mögliche wirtschaftliche Rezession große Sorgen bereitet. Auch die Angst davor, dass die gesellschaftliche Stimmung „kippen“ könnte ist groß.

Offensichtlich haben sich viele Kolleginnen und Kollegen mit den derzeitigen Einschränkungen arrangiert. 45 % der Teilnehmer*innen machen sich diesbezüglich, wenig bis gar keine Sorgen, dennoch ist die Angst sich mit dem Virus anzustecken eher groß.

Die Antworten auf Ihre häufigsten Fragen geben wir hier:

  • Mein Arbeitgeber hat aufgrund von Corona keine Arbeit für uns. Wir solle n Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen. Kann er das einseitig anordnen?

    Grundsätzlich kann der Arbeitgeber Beschäftigte nicht gegen ihren Willen in den Urlaub schicken. Ausnahmen gelten für sogenannte Betriebsferien. Betriebsf erien müssen mit dem Betriebsrat/Personalrat falls es einen solchen gibt vereinbart werden. In betriebsratslosen Betrieben ist zwar eine einseitige Anordnung möglich, es muss aber mit ausreichend Vorlauf passieren. Zudem ist billiges Ermessen zu berück sichtigen, auch muss genug Resturlaub zur freien Verfügung verbleiben. Was die Minusstunden betrifft: Arbeitgeber dürfen nicht einseitig Arbeitszeitkonten mit Minusstunden belasten. Denkbar sind allerdings  tarifvertragliche oder arbeitsvertragliche Regelungen, die die Nutzung von Arbeitszeitkonten zur Überbrückung von Auftragsschwankungen vorsehen.

  • Wie steht es um meine Arbeit und meinen Lohn, wenn aufgrund des Coronavirus der Kindergarten oder die Schule meines Kindes geschlossen hat? Kann ich dann zuhause bleiben und bekomme weiterhin mein Gehalt?

    Die bisherigen rechtlichen Lösungswege sind auf ein derart flächendeckendes Ereignis nicht ausgerichtet. Deshalb hat das Bundeskabinett am 23. März 2020 ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, das Eltern den Anspruch auf En tschädigung zubilligt, wenn sie wegen angeordneter Kita und Schulschließungen zur Betreuung ihrer Kinder zuhause bleiben müssen. Der Entschädigungsanspruch soll in das Infektionsschutzgesetz aufgenommen werden. Für eine Höchstdauer von 6 Wochen hat ein
    El ternteil dann Anspruch auf 67 Prozent seines Nettoeinkommens bz w. maximal 2.016 Euro im Monat.

  • Darf mein Arbeitgeber einseitig Kurzarbeit anordnen?

    Hier müssen drei Fälle unterschieden werden:

    1. Es gibt im Betrieb einen Betriebsrat. Dieser darf mitbestimmen, wenn der Betrieb die Arbeitszeit vorübergehend kürzt (§ 87 Absatz 1 Ziffer 3 BetrVG). Betriebsrat und Arbeitgeber regeln in einer Betriebsvereinbarung, unter welchen Bedingungen Kurzarbeit angeordnet werden kann. Der Betriebsrat hat sogar ein Initiativrecht und kann vom Arbeitgeber verlangen, dass er Kurzarbeit einführt, wenn das im Interes se der Beschäftigten liegt.
    2. Ein Tarifvertrag regelt die Kurzarbeit. Hier kann vieles abweichend von gesetzlichen Vorschriften geregelt werden. Auf jeden Fall geht der Tarifvertrag einer Betriebsvereinbarung vor. Wenn Sie Mitglied einer Gewerkschaft sind, sollten Sie sich dort erkundigen, ob in Ihrem Unternehmen ein Tarifvertrag die Kurzarbeit regelt. In vielen Tarifverträgen sind Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld geregelt.
    3. Es gibt weder einen Betriebsrat noch einen Tarifvertrag. In diesem Fall muss der Arbeitgeber mit jedem*jeder einzelnen Betroffenen Kurzarbeit vereinbaren, sofern dies nicht ohn ehin im Arbeitsvertrag vereinbart ist. Auch ein Zuschuss zum Kurzarbeitergeld kann vereinbart werden. Ist die*der Arbeitnehmer*in mit Kurzarbeit nicht einverstanden, hat der Arbeitgeber nur die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis zu kündigen und die Fortset zung unter der Bedingung anzubieten, dass der Beschäftigte mit der Kurzarbeit einverstanden ist
  • Muss mein Arbeitgeber Desinfektionsmittel und Ähnliches zur Verfügung stellen, um die Infektion am Arbeitsplatz zu verhindern?

    Der Arbeitgeber hat gegenüber seinen Beschäftigten eine arbeitsvertragliche Schutz und Fürsorgepflicht. Deshalb muss er dafür sorgen, dass die Erkrankungsrisiken und Gesundheitsgefahren im Betrieb so gering wie möglich sind. Je nach Art des Betriebes
    wie möglich sind. Je nach Art des Betriebes –– etwa in einem Betrieb mit viel Kundenkontakt  –– kann aus der Schutzpflicht eine konkrete Verpflichtung, zum Beispiel Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen, folgen.

    Zudem sind Arbeitgeber verpflichtet, ihre Beschäftigten über die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen und Schutzvorkehrungen zu informieren. Das bedeutet, dass den Beschäftigten erklärt werden muss, wie sie Ansteckungsrisiken minimieren. So können sie etwa zum regelmäßigen Hände waschen angehalten werden.

    Gibt es im Betrieb einen Betriebsrat oder Personal, sind solche Hygieneanweisungen seitens des Arbeitgebers, die in aller Regel Fragen der Ordnung des Betriebs und des Verhaltens der Beschäftigten im Betrieb berühren, nach § 87 Nr.1 und Nr. 7 BetrVG und § 75 Abs. 3 Nr. 11 und 15 BPersVG  mitbestimmungspflichtig.


Tarifverträge schaffen Sicherheit – gerade in schwierigen Zeiten

Wir erleben gerade eine Situation, die uns als Gesellschaft vor große Herausforderungen stellt und es ist zu befürchten, dass sich auch die wirtschaftliche Situation gravierend verändern kann. Gerade in schwierigen Zeiten sichern Tarifverträge die Einkommen und die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten.

Gute Tarifverträge gibt es nur mit starken Gewerkschaften, deshalb jetzt Mitglied werden!

 


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Weitere Informationen für Beschäftigte zur Corona-Krise: