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Tarifpolitische Konferenz Versicherungen

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Tarifpolitische Konferenz Versicherungen

Zur Vorbereitung der Tarifrunde diskutierten 80 Kolleg*innen über tarifpolitische Strategien.
Tarifpolitische Konferenz Versicherungen ver.di FB 01 Mehr als 80 Kolleg*innen aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen an der Konferenz teil.

Vom 22. bis 23. April 2021 fand zur Vorbereitung der Tarifrunde eine tarifpolitischen Konferenz statt, an der aus dem gesamten Bundesgebiet rund 80 ver.di-Aktive aus der Versicherungsbranche teilnahmen. Neben der Auswertung der Branchenumfrage wurde über tarifpolitische Strategien für die kommende Tarifrunde diskutiert.

Im folgenden Interview berichten Dirk Grüters, Betriebsrat Ergo Group AG, Düsseldorf und Tanja Jankowski, Württembergische Lebensversicherung AG, Betriebsrätin (beide Mitglieder der Tarifkommission) über ihre Eindrücke von der Konferenz.

ver.di: Letzte Woche hat die tarifpolitische Konferenz Versicherungen stattgefunden. Wie war denn die Veranstaltung aus deiner Sicht?
Tanja Jankowski: Also ich finde es toll, dass wir uns trotz der Corona Situation online treffen konnten. Ich fand die Konferenz sehr gut vorbereitet. Wir haben uns mit vielen Grundlagen beschäftigt. Wie sieht es in unserer Branche aktuell aus? Was sind die wichtigsten Themen in der Tarifrunde? Da waren die Ergebnisse der Umfrage sehr hilfreich. Aber es gab auch ganz viel Raum für Diskussionen. Besonders beschäftigt hat uns natürlich die Frage, wie wir mit der Corona Situation in der Tarifrunde umgehen.
Dirk Grüters: Die Konferenz war gut! Es haben viele Kolleginnen und Kollegen -nicht nur aus der Tarifkommission- teilgenommen. Wir hatten anregende und spannende Diskussionen. Wir haben uns intensiv die Ergebnisse der Branchenumfrage angeschaut. Hier wurde sehr deutlich, dass bei den Themen Arbeitsbelastung und mobiles Arbeiten noch sehr viel Handlungsbedarf besteht. Das Thema Arbeitsbelastung war ja schon vor der Pandemie ein großes Problem. Das hat sich auch in der Pandemie nicht verändert und viele Kolleginnen und Kollegen haben da weiterhin richtig Probleme!

Tanja Jankowski, Württembergische Lebensversicherung AG, Mitglied der Tarifkommission, Betriebsrätin T. Jankowski Jankowski ist BR bei der Württembergischen Lebensversicherung AG und ver.di-Tarifkommissionsmitglied

Die Arbeitgeber möchten vor allem Steigerungen, die müssen aber mit weniger Beschäftigten gemacht werden. Die Menschen empfinden das als "zu viel, ich schaffe das nicht mehr!"

Tanja Jankowski

ver.di: Was wird unter Corona-Bedingungen anders sein in der Tarifrunde Versicherungen?
Tanja Jankowski: Wir haben uns natürlich die Frage gestellt: "Wie erreichen wir die Menschen?"
Dazu haben wir in Gruppen diskutiert. Klar ist ja, dass wir vor allem auch online stärker Auftreten müssen und da noch viel passieren muss. Denn es ist schwierig, Personen anzusprechen, wenn ich sie nicht persönlich sehen kann? Hier haben wir uns viel überlegt. Wir gehen jetzt noch mal in unsere Betriebe zurück und planen, wie wir das konkret angehen können.

ver.di: Was sind aus Deiner Sicht die besonderen Herausforderungen in der Tarifrunde Versicherungen?
Tanja Jankowski: In der Beschäftigtenbefragung sieht man, dass es jetzt ganz viele Themen gibt. Natürlich ist auf jeden Fall eine Gehaltsforderung wichtig, aber auch Themen wie Arbeitsschutz oder Sicherheit stehen ganz oben auf der Liste. Vor allem das Thema Arbeitsbelastung bewegt im Moment viele Kolleginnen und Kollegen. Da werden wir in den kommenden Monaten genau hinschauen müssen, damit wir das in der Tarifrunde gegenüber den Arbeitgebern zur Sprache bringen können. Dann ist natürlich Homeoffice und mobiles Arbeiten ein sehr wichtiges Thema. Viele, die im Homeoffice arbeiten, haben eben doch nicht die optimale Büroausstattung, hier gibt es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten, die wir einfordern können. Da geht es jetzt nicht nur um den Esszimmertisch, auf dem den ganzen Tag der Dienstrechner steht oder um den Küchenstuhl, der nicht in der Höhe verstellbar ist. Es entstehen ja auch Kosten, die eigentlich vom Arbeitgeber kompensiert werden müssten.
Dirk Grüters: Die entscheidende Herausforderung wird sicherlich sein in der neuen Arbeitswelt, in der wir uns jetzt befinden, die Kolleginnen und Kollegen zu erreichen. Wir müssen neue Wege finden, wie wir informieren können und wie wir unsere Aktionen und Arbeitskämpfe so gestalten können, dass sie auch wirken!

ver.di: Wie würdest du das erklären, dass die Arbeitsbelastung gestiegen ist?
Tanja Jankowski: Also ich glaube, das bringt einfach auch die heutige Zeit mit sich. Die Bewegung der Branche. Ich glaube, dass das auch in vielen anderen Branchen so ist. Die Arbeitgeber möchten vor allem Steigerungen, Steigerungen, Steigerungen, die oft aber mit weniger Mitarbeitern gemacht werden müssen. Die Menschen haben einfach das Empfinden, dass das einfach viel zu viel ist. "Ich schaffe nicht mehr, was von mir erwartet wird", das war ein Satz, der in der Beschäftigtenbefragung häufig geäußert wurde. Ein großer Teil der Beschäftigten fühlt sich deshalb sehr unwohl. Deshalb ist das mit Sicherheit ein Thema, dem wir uns annehmen werden. Man muss versuchen, die Digitalisierung zu nutzen, um die Kolleginnen und Kollegen zu entlasten und nicht nur, um noch mehr Personal einzusparen.

Dirk Grüters, Ergo Group AG Düsseldorf, Betriebsrat, Mitglied der ver.di Tarifkommission D. Grüters Grüters ist BR bei der Ergo Group AG Düsseldorf und Mitglied der ver.di-Tarifkommission

"Ohne steigende Mitgliederzahlen und ausreichenden Druck im Arbeitskampf werden wir am Verhandlungstisch alleine unsere Forderungen nicht durchsetzen können."

Dirk Grüters

ver.di: Habt ihr auch über die Forderungen für die Tarifrunde gesprochen?
Dirk Grüters: Also die Forderungen werden ja erst noch beschlossen. Vorher werden wir dazu natürlich die Mitglieder befragen. Die Ergebnisse werden die Grundlage sein, auf der die ver.di-Tarifkommission das Forderungspaket im Herbst 2021 beschließt. Es ist wichtig, dass sich an dieser Umfrage möglichst viele Kolleginnen und Kollegen beteiligen, damit sich die Tarifkommission ein gutes Bild machen kann. Es ist auch wichtig, dass dann alle Kolleginnen und Kollegen hinter den Forderungen stehen. Die Arbeitgeber werden unser Forderungen ja nicht einfach so erfüllen, dafür werden wir Aktionen durchführen müssen und wahrscheinlich auch wieder in den Arbeitskampf treten. Je mehr dabei mitmachen, desto besser!

ver.di: Wie würdest du die Stimmung bei den Beschäftigten für die Tarifrunde einschätzen?
Tanja Jankowski: Das ist tatsächlich total schwierig einzuschätzen, weil man gerade aufgrund von Corona wenig Kontakt hat. Klar ist, dass wir uns gut auf die Tarifrunde vorbereiten werden und schon früh damit anfangen, ins Gespräch mit den Kollegen und Kolleginnen zu kommen und unsere Themen zu platzieren. Klar ist auch, jetzt gilt es aktiv zu werden und sich in den Betrieben einzubringen. Unsere Branche ist im Umbruch, das merken wir alle. Nur wenn jetzt viele Kolleginnen und Kollegen aktiv werden, können wir den Umbruch wirksam mitgestalten. Sonst wird das sehr schwierig!
Dirk Grüters: Ich glaube, bei vielen Kolleginnen und Kollegen steht im Moment eher die Frage im Raum, "Wie komme ich in der aktuellen Pandemie-Situation zurecht, was wird danach sein?"
Das hat erst mal eine höhere Priorität als die Tarifrunde. Aber das wird sich im Laufe des Jahres sicher ändern, denn es wird ja gerade in diesen Zeiten überdeutlich, wie wichtig ein gewerkschaftlicher Arbeitnehmerschutz ist und wie wichtig unsere Tarifverträge sind. Auf der Konferenz waren auf jeden Fall alle sehr motiviert, die Sache jetzt anzugehen. Wichtig ist aber, dass sich möglichst viele Kolleginnen einmischen und mitmachen. Es ist eigentlich kein Geheimnis mehr, dass in unserer Branche zu wenige Kolleginnen und Kollegen ver.di-Mitglied sind und trotzdem von den Regelungen der Tarifverträge profitieren. Die müssten alle nicht nur an unseren Streiks und Aktionen teilnehmen, sondern intensiv über die Mitgliedschaft in ver.di nachdenken und sich für eine Mitgliedschaft entscheiden, damit die Arbeitgeber sehen, dass alle hinter den Forderungen stehen und unsere Streiks ihre volle Wirkung entfalten. Ohne steigende Mitgliederzahlen und ausreichenden Druck im Arbeitskampf werden wir am Verhandlungstisch alleine unsere Forderungen nicht durchsetzen können.

Die Herausforderungen in unserer Branche werden immer größer!

Vieles ist im Umbruch und sicher geglaubte Strukturen stehen plötzlich in Frage. In so einem Umfeld macht es immer Sinn, sich zusammenzuschließen. Dadurch steht niemand alleine da, wenn es hart auf hart kommt.

Deshalb: Jetzt ver.di-Mitglied werden und von den vielen Vorteilen einer der größten Beschäftigtenvertretungen Europas profitieren!


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© ver.di FB1 Hannover/Jelca Kollatsch